Branchenstrukturen in der Schweiz: NOGA 2008 gliedert Wirtschaft in 21 Abschnitte, 88 Abteilungen und 615 Klassen.; STATENT des BFS zählt jährlich Unternehmen und Beschäftigte nach Region und Wirtschaftszweig.; Das zentrale Register wirtschaftlich Berechtigter soll ab 2024 für Behörden zugänglich sein.
Bild: Branchenwegweiser

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Branchenstrukturen in der Schweiz: Systematik, Quellen und Register

Die Branchenstruktur beschreibt, wie sich Unternehmen und Beschäftigte auf Wirtschaftszweige und Regionen verteilen.

Einleitung: Was versteht man unter Branchenstrukturen?

Die Branchenstruktur beschreibt, wie sich Unternehmen und Beschäftigte auf Wirtschaftszweige und Regionen verteilen. Sie ist ein Indikator für die regionale Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung eines Standorts.

Die NOGA (Nomenclature Générale des Activités économiques) ordnet Betriebe nach ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit. Jeder Betrieb erhält eine Position entsprechend seiner Haupttätigkeit; als Haupttätigkeit gilt jene mit dem grössten Personaleinsatz. Die Systematik ist auf die europäische NACE abgestimmt und berücksichtigt Schweizer Bedürfnisse.

Die NOGA 2008 gliederte die Wirtschaft hierarchisch: in 21 Abschnitte mit Grossbuchstaben, 88 Abteilungen mit zwei Ziffern, 272 Gruppen mit drei Ziffern und 615 Klassen mit vier Ziffern. Die fünfte und sechste Position ermöglichen eine zusätzliche nationale Feingliederung.

Ein Beispiel: Abschnitt C bezeichnet das verarbeitende Gewerbe, Abteilung 28 den Maschinenbau. Die NOGA wurde nach der Überarbeitung der europäischen NACE angepasst; die Einführung der NOGA 2025 erfolgt schrittweise 2026.

Wichtige Datenquellen zur Wirtschafts- und Branchenstruktur

Die Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) des Bundesamts für Statistik (BFS) weist jährlich die Anzahl Unternehmen und Beschäftigter nach wirtschaftlicher Aktivität und Regionen aus. Sie dient als Grundlage für Analysen zur Branchenverteilung.

Die Arbeitsmarktstatistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) wird monatlich nachgeführt. Sie weist unter anderem registrierte Arbeitslose und Stellensuchende, Zugänge und Abgänge aus der Arbeitslosigkeit, offene Stellen sowie von Kurzarbeit betroffene Betriebe und Personen aus. Die Daten werden über die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im System AVAM erhoben.

Die Aussenhandelsstatistik des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) dokumentiert monatlich den grenzüberschreitenden Güterverkehr und unterscheidet Ein-, Aus- und Durchfuhr. Seit 2006 sind Lohnveredelungsverkehr, Retourwaren und elektrischer Strom integriert.

Für die kantonale Zuordnung zählt die Adresse des Exporteurs oder Importeurs; bei Betrieben in mehreren Kantonen erfolgt die Aufteilung proportional zu den Arbeitsplätzen. Die Methodik für die Verteilung auf Kantone wurde 2020 optimiert und Daten ab 2016 rückwirkend angepasst. Kantonsresultate vor 2016 sind deshalb nicht mit jenen ab 2016 vergleichbar.

Die Beherbergungsstatistik (HESTA) des BFS erfasst monatlich das Angebot und die Nachfrage bei Schweizer Hotels, Kurbetrieben und Campingplätzen. Erhoben werden unter anderem Zimmer, Betten, Ankünfte und Logiernächte, aufgeteilt nach Wohnsitzland der Gäste. Räumlich und zeitlich zusammengefasste Daten ermöglichen etwa Analysen des saisonalen Gästeaufkommens und Vergleiche des Bettenangebots.

Das Regionenmonitoring von regiosuisse zeigt Branchenmix und Beschäftigungsentwicklung nach urbanen, periurbanen und ländlichen Raumtypen. Es dient der Regionalentwicklung und macht regionale Unterschiede der Wirtschaftsstruktur sichtbar.

Register der Wirtschaftsakteure: Handelsregister und wirtschaftlich Berechtigte

Das Handelsregisterwesen geht auf Ragionenbücher zurück, die im 17. und 18. Jahrhundert in Städten der Eidgenossenschaft geführt wurden. Genf führte 1698 ein Register, St. Gallen 1712, Zürich 1717 und Basel 1719. In Zürich wurde die Registrierung «fabrizierender» Bürger und ihrer «Associés» mit dem Fabrikgesetz von 1717 vorgeschrieben.

Das Handelsregister ist eine Datenbank zur Schweizer Wirtschaft und führt unter anderem Kapitalgesellschaften mit verschiedenen Informationen auf. Kritisiert werden der begrenzte Nutzen der Angaben für den Geschäftsalltag, bürokratischer Aufwand und Kosten, etwa für öffentliche Beurkundungen. Prozesse seien teilweise komplex, zeitraubend und papierbasiert.

Am 12. Oktober 2022 beauftragte der Bundesrat das Eidgenössische Finanzdepartement, bis Juni 2023 eine Gesetzesvorlage für ein zentrales Register wirtschaftlich Berechtigter auszuarbeiten. Das Register sollte nur den zuständigen Behörden zugänglich sein. Bei der Ankündigung wurde eine Einführung frühestens 2024 erwartet; angestrebt wurden mehr Transparenz und eine erleichterte Identifikation wirtschaftlich Berechtigter.

Vorteile und Herausforderungen des Handelsregisters

Vorteile
Rechtliche Transparenz, öffentlich zugängliche Daten für Kapitalgesellschaften
Nachteile
Bürokratischer Aufwand, papierbasierte Prozesse, begrenzter Nutzen für den Geschäftsalltag

Strukturwandel und regionale Unterschiede

Technologie, Demographie und Globalisierung treiben den Strukturwandel an. Zwischen 2011 und 2021 entstanden in der Schweiz rund 400'000 neue Vollzeitäquivalente (VZÄ). Die meisten neuen Stellen fielen in periurbanen und urbanen Gebieten an; in ländlichen Gemeinden wuchs die Beschäftigung unterdurchschnittlich.

An Bedeutung gewannen insbesondere das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Grundstücks- und Wohnungswesen. Rückläufig waren das verarbeitende Gewerbe und die Landwirtschaft.

Die Branchenstruktur beeinflusst das regionale Beschäftigungswachstum. Ländliche Gebiete haben überdurchschnittliche Beschäftigungsanteile in Landwirtschaft und verarbeitendem Gewerbe, während urbane Gebiete unter anderem in der Finanzindustrie sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen stärker vertreten sind.

Urbane Gebiete weisen tendenziell einen produktiveren Branchenmix auf. Die Arbeitsproduktivität, gemessen als Bruttowertschöpfung pro VZÄ, liegt dort höher; ländliche Gebiete haben grössere Beschäftigungsanteile in unterdurchschnittlich produktiven Wirtschaftszweigen.

Fazit: Systematik, Quellen und Register als Instrumente der Standortanalyse

Die NOGA ordnet Betriebe nach ihrer wirtschaftlichen Haupttätigkeit und schafft damit eine einheitliche Grundlage für den Branchenvergleich. STATENT und das Regionenmonitoring zeigen Beschäftigung und Branchenmix; Arbeitsmarkt-, Aussenhandels- und Beherbergungsstatistik ergänzen weitere Perspektiven.

Das Handelsregister enthält Informationen zu Kapitalgesellschaften. Ein zentrales Register wirtschaftlich Berechtigter wurde 2022 vom Bundesrat als Vorhaben angekündigt, mit Zugang für zuständige Behörden.

Die Kombination von Branchen- und Regionaldaten hilft Kantonen und Gemeinden, wirtschaftliche Stärken und Entwicklungen zu beurteilen. Unternehmen können diese Angaben nutzen, um Standortvorteile zu erkennen, Marktpotenziale abzuschätzen und Investitionsentscheide empirisch abzustützen.

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