
Sektorenlisten
Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor: Wirtschaftssektoren abgrenzen
Die klassische Drei-Sektoren-Lehre ordnet wirtschaftliche Tätigkeiten nach ihrer Funktion: Der Primärsektor gewinnt natürliche Ressourcen, der Sekundärsektor verarbeitet sie oder stellt Güter her,…
Was sind Wirtschaftssektoren?
Die klassische Drei-Sektoren-Lehre ordnet wirtschaftliche Tätigkeiten nach ihrer Funktion: Der Primärsektor gewinnt natürliche Ressourcen, der Sekundärsektor verarbeitet sie oder stellt Güter her, und der Tertiärsektor erbringt Dienstleistungen. Für die Zuordnung ist deshalb entscheidend, was konkret getan wird.
Primärsektor: Land‑, Forstwirtschaft und Fischerei
Zum Primärsektor gehören Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei; dazu zählt auch die Gewinnung von Bodenschätzen. In der NOGA 2025 entsprechen diesen Tätigkeiten die Bereiche 01–03 sowie 05–09.
Zu den Aufgaben des Sektors gehört es, natürliche Ressourcen und Kulturland nachhaltig zu nutzen und die Umweltbelastung möglichst gering zu halten. Die Schweizer Landwirtschaft produziert mehr als die Hälfte des inländischen Nahrungsbedarfs.
Der Anteil des Primärsektors an der Wertschöpfung der Schweizer Wirtschaft ist sehr tief und zählt international zu den weltweit schwächsten.
Sekundärsektor: Industrie und Gewerbe
Der Sekundärsektor verarbeitet Rohstoffe zu Halb- und Fertigwaren. Dazu gehören Industrie und Gewerbe, das Baugewerbe sowie die Energie- und Wasserversorgung.
Die NOGA 2025 führt die Herstellung von Waren unter C (10–33), die Energieversorgung unter D (35), Wasser- und Abfallwirtschaft unter E (36–39) und das Baugewerbe unter F (41–43).
Tertiärsektor: Dienstleistungen
Der Tertiärsektor umfasst Handel, Verkehr, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Gesundheitswesen, Bildung und Gastgewerbe. In der NOGA 2025 finden sich Handel unter G (46–47), Verkehr und Lagerei unter H (49–53) sowie Beherbergung und Gastronomie unter I (55–56).
In der Schweiz ist der Tertiärsektor mit Abstand der grösste Wirtschaftssektor. Er umfasst Dienstleistungen statt der Gewinnung oder Verarbeitung von Sachgütern.
Abgrenzung der Sektoren in der Praxis
Prüfe zuerst, ob eine Tätigkeit Rohstoffe gewinnt oder Urproduktion betreibt: Dann gehört sie zum Primärsektor. Verarbeitet sie Rohstoffe, stellt Waren her, baut oder versorgt mit Energie und Wasser, ist sie dem Sekundärsektor zuzuordnen; Handel und andere Dienstleistungen gehören zum Tertiärsektor.
Ein konkretes Beispiel zeigt die Abfolge: Getreide anbauen ist Primärsektor, Brot herstellen Sekundärsektor und Brot verkaufen Tertiärsektor. Entscheidend ist jeweils die Tätigkeit, nicht allein das Produkt.
Bei einem Landwirt mit Direktvermarktung treffen zwei Tätigkeiten zusammen: Die Landwirtschaft gehört zum Primärsektor, der Verkauf zum Tertiärsektor. Solche Mischformen lassen sich auflösen, indem die einzelnen Tätigkeiten getrennt betrachtet werden.
Für die offizielle Branchenzuordnung dient die Schweizer Klassifikation NOGA. Das BFS-KUBB ermöglicht die Suche nach NOGA-Codes anhand eines oder mehrerer Begriffe zur gesuchten Tätigkeit; die Codes klassieren Unternehmen und Arbeitsstätten nach ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit.
Abgrenzung von Wirtschaftssektoren: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Rohstoffgewinnung oder Urproduktion?Ja → Primärsektor (z. B. Getreideanbau, Forstwirtschaft)
- Verarbeitung oder Herstellung von Gütern?Ja → Sekundärsektor (z. B. Brot herstellen, Baugewerbe, Energieversorgung)
- Dienstleistung oder Handel?Ja → Tertiärsektor (z. B. Brot verkaufen, Finanzdienstleistungen, Gastgewerbe)
Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft
Der Tertiärsektor dominiert die Schweizer Wirtschaftsstruktur; der Grossteil der Erwerbstätigen arbeitet im Dienstleistungsbereich. Das Bundesamt für Statistik weist Anteile erwerbstätiger Personen nach Wirtschaftssektor und -abschnitt aus.
Der Sekundärsektor trägt ebenfalls stark zur Wertschöpfung bei, besonders durch die exportorientierte Industrie. Die OECD empfahl 2024, Handelsbeziehungen auszubauen, zusätzliche Handelspartnerschaften anzustreben und Lieferketten weiter zu diversifizieren.
Der Wertschöpfungsbeitrag des Primärsektors ist gering. Wichtig bleiben seine Rolle für die Nahrungsmittelversorgung und die nachhaltige Bewirtschaftung der Kulturlandschaft.
Wertschöpfungsbeitrag der Sektoren in der Schweiz (NOGA 2025)
- Primärsektor
- niedrig – weltweit unterdurchschnittlich
- Sekundärsektor
- hoch – besonders durch exportorientierte Industrie



